Tiergeschichten

Tiergeschichten


Kleiner Karl ganz groß
  Sabine Kutschick


Ich, Karl der Große, erzähl euch hier mal von meinem Abenteuer!
Anfang Juli wurde ich in einem Garten Nähe Landshut gefunden, man wäre fast auf mich draufgetreten, weil ich so klein war, ich wog ganze 1,8g, war blind und noch fast nackt.
Ich hatte irgendwie meine Mama verloren, doch leider wollte keiner in der Umgebung mir helfen und so kam ich zur Wildtierhilfe Passauer Land.
Ich erhielt den Namen „Karl der Große“, was mich sehr freute.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Ersatzmilch trinken, zuerst hab ich mehr darin gebadet als getrunken, haben meine Pflegemama und ich das ganz gut hinbekommen.
Im Laufe der Zeit war dann auch klar, dass ich nicht, wie erst vermutet, ein Siebenschläfer-Junges bin, sondern eine Maus und zwar eine ganz besondere, ich bin eine süße Zwergmaus oder auch Langschwanzmaus genannt.
Ich darf stolz behaupten, dass ich das kleinste Nagetier Europas bin, da ich selbst im ausgewachsenen Zustand nicht mehr als 3,5g - 7g auf die Waage bringe ...bis dahin ist bei mir allerdings noch bisschen hin.
Da ihr Menschen meinen Lebensraum immer mehr zerstört, komme ich gar nicht mehr so oft in der Natur vor, denn ich brauche Hochstaudenflure, Feuchtwiesen mit Hochgrasbeständen, Schilf, Rohrglanzgras aber auch Getreidefelder mit Hanf, Hafer oder Luzerne.
Wüsstet Ihr auf Anhieb, wo man sowas heute noch findet?
Mittlerweile bin ich groß geworden, immerhin wiege ich jetzt ganze 4,6g und trinke nun keine Ersatzmilch mehr, sondern knappere lieber Halme und Samen.
Auf Grund der Tatsache, dass ich so einmalig bin, suche ich nun eine neue Zwergmaus-WG in Freiheit, um dann alsbald den Bestand meiner besonderen Sorte mit eigenen Jungen zu erhalten.
Insofern, sollte Ihr in der Natur einmal eine kleine Maus sehen, denkt an mich zurück und freut euch am Anblick dieses süßen Tieres.
Liebe Grüße
euer Karl der Große



Die Smaragdküken – eine Jungvogelaufzucht der besonderen Art
Dr. Katharina Heuberger

Im Jahr 2014 ist witterungsbedingt eine große Anzahl von Wildtierwaisen, insbesondere auch Vögeln, von besorgten Spaziergängern, Hundeausführern und sonstigen aufmerksamen Menschen bei uns abgegeben worden, die wir dann aufziehen und zumeist auswildern konnten. Am 15. Juli diesen Jahres erlebten wir jedoch eine Begegnung der besonderen Art. Wir, Dr. Katharina und Dr. Wolfgang Heuberger, betreiben eine auf Reptilien und Amphibien spezialisierte Tierarztpraxis in Aldersbach und ziehen seit Jahren verwaiste und in Not geratene Wildtiere diverser Arten auf. Die Notversorgung von verletzten Wildtieren oder verwaisten Jungtieren wird von tierärztlicher Seite leider noch immer stiefmütterlich behandelt, und somit werden die wenigen Stellen, die sich derer freiwillig annehmen, meist reichlich frequentiert – notgedrungen hat sich daraus ein kleines Netzwerk entwickelt, bei dem jede „Pflege- und Aufzuchtstelle“ ihre Schwerpunkte und Spezialisierungen hat – bislanglag unser Schwerpunkt, da unter den Wildtieren als besonders problematisch und aufwändig in der Aufzucht und vor allem Auswilderung erachtet, auf Fuchswelpen und Marderkindern, also den kleinen einheimischen Beutegreifern. Um „Beutegreifer“ der sehr besonderen Art soll es sich auch in unserem Bericht drehen. Als uns eine Bekannte aus Passau, die sich vor allem mit der Aufzucht von Vögeln, Nagetieren und Kleinsäugern (und auch Katzenkindern) beschäftigt, telefonisch kontaktierte und uns um Mithilfe bei der Aufzucht Ihrer neuesten Findlinge bat, hörten wir schon im Hintergrund merkwürdige Geräusche, die an ein sirrendes, schwirrendes Stahlseil gemahnten (besser läßt es sich nicht umschreiben). Die Artbestimmung war schon erfolgt, und auch wenn die kleinen Wesen noch nicht aussahen wie Vögel, war klar, daß es sich um 6 Eisvogelkinder handelte, die ca 7 Tage alt waren und von Kindern in der Nähe einer (offensichtlich von Menschen) zerstörten Bruthöhle gefunden worden waren. Die Problematik, die die sehr erfahrene Pflegestelle nicht so ohne weiteres meistern konnte, lag im Mangel an lebenden Kleinstfischen und Jagdmöglichkeiten der heranwachsenden Vögel und der Sorge um die geeignete Auswilderungsmöglichkeit – und so kamen wir zu den kleinen Smaragdigelküken. Zum Zeitpunkt der Übernahme befanden sich die Federn noch arttypisch in ihren Hüllen, so daß die kleinen schon zart blau (mit brauner Brust) schimmernden Vögel wie mit weißen Stacheln besetzt schienen – ein außergewöhnlicher Anblick, stets begleitet von den beschriebenen akustischen Erscheinungen, die nur kurz aufhörten, wenn man gerade frisch gefüttert hatte und die nachgebaute Bruthöhle wieder im tiefer Finsternis lag. Die Literatur zur Aufzucht verwaister Eisvögel erwies sich als recht dürftig, so daß wir uns an den natürlichen Lebens- und Aufzuchtbedingungen orientieren mußten. Eisvögel sind Höhlenbrüter und graben in Steilhängen über naturbelassenen Flüssen bis zu 1 m lange Röhren, die in einer Brutkammer enden. Hier legen Sie ihre 6-8 Eier ab, die Jungen verbleiben bis zum Flüggewerden in den Höhlen und werden von beiden Elternteilen mit frischen Kleinfischen und Insekten versorgt. Dabei bilden die Jungtiere in der Höhle ein „Fütterungskarussell“, wobei sie mit dem Schwänzen gen Kreismitte und den Schnäbeln nach außen sitzen und bei der Fütterung durch die Elterntiere immer einen Platz weiterwandern, so daß jedes Jungtier bei der Fütterung in völliger Dunkelheit zum Zug kommt. Bei uns verbrachten die Jungtiere die meiste Zeit in einem abgedunkelten Karton, dessen Inlay fast stündlich gewechselt werden mußte, da alle Jungvögel in der Natur zielgerichtet gegen Höhlenausgang koten und aufgrund der Ernährung die Stoffwechselrate entsprechend schnell, geruchsintensiv (Fisch!!) und reichlich ist. Die Jungvögel akzeptierten von der ersten Stunde an die Pinzettenfütterung, bei Berühren des Schnabels sperrten die Kleinen diesen sofort auf und nahmen jede Art von Futter wie Forellenstückchen (incl Haut und Gräten), Kleinstfischchen, Heimchen und ab und zu zerkleinertes Katzendosenfutter auf Fischbasis (mit Calcium aufgewertet) an. Die Fütterungsintervalle wurden von den Zwergen mit ihrer unverwechselbaren Akustik selbst bestimmt, meist alle 1- 2 Stunden. Zu unserem großen Glück sind Eisvögel streng tagaktive Vögel, und eine Nachtfütterung in diesen Intervallen blieb uns erspart. Insgesamt dauerte die Aufzucht der Kleinen bei uns nur 13 Tage, da die Jungtiere nach anfänglicher Stagnation eine rasante Entwicklung an den Tag legten. Nach 7 Tage Pflege zerfielen praktisch über Nacht und zeitgleich bei allen Jungtieren die Federhüllen (und überzogen die gesamte Umgebung mit feinem weißlichem Staub) und sechs kleine nun sehr farbintensive Jungvögel erwarteten uns hungrig am Morgen.  Nun dauerte es nicht lang, und die Kleinen versuchten selbstständig die Bruthöhle ihres Kartons zu verlassen, was uns veranlaßte, den Karton in eine große Voliere unter freiem Himmel umzuziehen. Hier konnten die Jungvögel aufgrund des Vorhandenseins eines kleinen Wasserbeckens mit Jungfischbesatz (aus unserem Goldfischteich gefischt) ihre Jagdfähigkeit erproben und erste Begegnungen mit Wasser, Wind und Sonne machen. Auch die Reaktion bei überfliegenden Greifvögeln war eindeutig. Da sich die Voliere schon nach wenigen Tagen als zu klein erwies und die Futterfangaktionen immer tollkühner verliefen (und die Gefahr von Federverletzungen durch die Gitterstäbe zunahm), war es Zeit die Auswilderung in Angriff zu nehmen. Zum Glück befindet sich unweit unseres Hauses ein uns bekanntes Eisvogelbiotop. Die Auswilderung selbst erfolgte in zwei Schüben, da nun doch erste Entwicklungsunterschiede zwischen den Geschwistern festzustellen waren. Die körperlich am besten Entwickelten und tollkühnsten Jäger brachten wir am 28. 7. 2014 an eine der schönsten und reich strukturierten Stellen am Fluß, wo wir die Zwerge vom Kanu aus starten ließen. Unsere kurzfristige Sorge, die Tiere könnten sich nicht zurechtfinden, wurde innerhalb kürzester Zeit behoben, da die Tiere sowohl untereinander mit leisen Rufen Kontakt hielten als auch zielgerichtet die schönsten Sonnenplätze über dem Wasser aufsuchten. Zu unserer großen Freude tauchte ein Altvogel auf, der sich jedoch nicht aggressiv oder sonstwie von unserem Tun gestört zeigte. Am folgenden Tag brachten wir die restlichen drei Jungtiere an die gleiche Stelle und konnten zwei der am Vortag entlassenen Tiere entdecken und beobachten. Es war kein großer Unterschied zu Wildvögeln mehr feststellbar. In der Folgezeit haben wir sie bei Kanutouren noch öfter besucht, allerdings zeigten alle gesichteten Eisvögel scheues Meideverhalten, wie es ja auch sein soll. Wir hoffen sehr, daß alle unsere Smaragdigelkinder ein geeignetes Revier gefunden haben, was aber bei der wunderschön mäandernden Auenflußlandschaft der Altvils-/Kollbachregion durchaus möglich erscheint.

Adebar in Not

Dr. Katharina Heuberger

Nach einer stürmischen Nacht wurden wir von der Tierklinik Kurzeichet kontaktiert, ob wir einen Storch aufnehmen könnten, der bei ihnen mit massiven Verletzungen an Flügeln und Beinen eingeliefert wurde - er war wohl in eine Photovoltaikanlage gestürzt und steckte zwischen den einzelnen Platten fest. Außerdem war er massiv von Parasiten übersät - die Feuerwehr konnte ihn schließlich nach stundenlangem Kampf befreien.
Das Tier zeigte bei uns alle Zeichen einer Capture myopathy, einer Übersäuerung der Muskeln nach extremen Anstrengungen, die bei manchen Tierarten in Streßsituationen eintritt und ohne massive Hilfe schnell zum Festliegen und Tod führt.
Nachdem der Storch nicht in der Lage war, sich aufrecht zu halten, wurde aus einem Wäschetrockner ein Ersatzlagerungsgerät gebaut, in das wir den Storch in nahezu physiologischer Haltung "einhängen" und dort auch zwangsernähren und behandeln konnten. Außerdem war es so möglich, die mehrfach täglich nötigen passiven Bewegungen der Beine umzusetzen - wie bei einer menschlichen Reha haben wir versucht, langsam wieder Gefühl und Kraft in die Beine des Tieres zu bekommen.
Nach fünf Tagen war unsicheres Stehen möglich und nach einer weiteren Woche konnte der inzwischen auch wieder selbstständig fressende Storch in eine große Freivoliere umziehen.
Nach über fünf Wochen war das Tier dann soweit genesen und wurde von den sehr umsichtigen Findern abgeholt und wieder ausgewildert.

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Unser Erlebnis mit Biberdame Bockerta

Dr. Katarina Heuberger


Am 6. April 2021 wurde uns von der Tierrettung Deggendorf im Auftrag des Landratsamts Landshut

eine schwer verletzte Biberdame gebracht.

Als das erwachsene Tier bei uns angeliefert wurde, war

die geruchliche Belastung recht ausgeprägt, das Tier hatte schwere infizierte Bissverletzungen auf

beiden Brustseiten und dem kompletten Rückenareal – zum Teil war hier die Haut handtellergroß

unterminiert und die entstandenen Taschen mit stinkendem Eiter gefüllt.

Das Tier selbst war völlig

passiv und zeigte kaum Reaktionen auf unsere Manipulation.

Als wir das Tier zur weiteren Untersuchung auf den Untersuchungstisch hoben, fiel aus der wie eine

Kloake gestalteten Geschlechts- und Analöffnung  des Tieres ein handtellergroßes Stück Schleimhaut,

das wir erst nicht zuordnen konnten – bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich

um Gebärmutterschleimhaut gehandelt hat, so dass man davon ausgehen kann, dass unsere

Biberdame vor kurzem auch noch Jungtiere geboren hatte – dass die Zitzen auch Milch produzierten,

bestätigte die Vermutung. Das sehr bemühte und interessierte Landratsamt Landshut gab diese

Information an den Fundort weiter, es konnten aber keine verwaisten Biberkinder gefunden werden.

Bei unserer Biberdame stand nun eine schwere Entscheidung an, die wir insofern abkürzten, dass wir

sie umgehend in Narkose legten, allein schon um ihr die Schmerzen zu nehmen – um dann weiter zu

entscheiden, ob wir umgehend einschläfern sollten oder doch versuchen sollten die unfassbar

schweren Wunden zu reinigen und einen Ausheilungsversuch zu wagen – noch dazu bei einem so

wehrhaften Tier wie einem Biber...

Da sie ja nun ohnehin in Narkose lag, begannen wir die Wunden zu reinigen –auch wenn diese

Aufgabe fast zwei Stunden sehr geruchsintensive und unangenehme Arbeit bedeutete und es völlig

unklar war, ob bei so schweren infizierten Verletzungen überhaupt auch nur eine Chance für das

Überleben des Tieres bestand.

Als die Wundreinigung geschafft war, sah die Brustwand beidseits allerdings noch mehr nach einem

Schlachtfeld aus, da auch die nekrotischen Wundränder entfernt werden mussten und nach

Entfernung des Eiters das rote Wundfleisch deutlich leuchtend zutage trat.

Bockerta aber erwachte nach drei Stunden aus der Narkose, nach insgesamt zwei Litern Infusion und

einem ausreichenden Pegel Antibiotikum, und während wir uns noch fragten, ob wir ihr damit nicht

das größere Leid angetan hatten, begann sie sich recht schnell zu berappeln und wirkte zwar weiter

reduziert, aber sonst nicht panisch oder schmerzgequält.


Die nächsten Tage waren erfüllt von Sorge und der ständigen Frage, ob es die richtige Entscheidung

gewesen war, sie am Leben zu lassen – Bockerta allerdings begann recht schnell diese Frage für sich

zu beantworten, denn sie ließ mit unglaublichem Sanftmut die täglichen

Wundreinigungsporozeduren über sich ergehen und begann schon am zweiten Tag mit vorsichtiger

Nahrungsaufnahme.

Da die Sorge vor Fliegenkontakt unser größtes Thema war, wohnte sie zu dieser

Zeit in einer eigens für sie zusammengezimmerten Wanne, deren Deckel allerdings meistens offen

gelassen wurde, da sich Bockerta auch hier von sehr umgänglicher Seite zeigte und keinerlei

Tendenzen hatte diese Wohnhöhle zu verlassen. Und so vergingen die ersten zwei Wochen mit

Wundspülungen, Infusionen, antibiotischer Behandlung und der ständigen Sorge, wie das

empfindliche Verdauungssystem des Bibers mit diesem Beschuss klarkommen würde.


Da sich ihr Nahrungsspektrum täglich erweiterte, sie viel Rohfaser und Weidenäste neben Karotten und Äpfeln

zu sich nahm, schaffte sie es aber irgendwie ihre Darmgesundheit zu erhalten.

Nach zwei Wochen war es dann soweit und wir wollten ihr ein erstes Bad gönnen – die einzige Möglichkeit dies

fliegenfrei zu gewährleisten, war allerdings die Badewanne im ersten Stock unseres Hauses – was

sich aber als kleinstes Problem herausstellte, denn Bockerta ließ sich – entgegen aller Erwartungen –

lammfromm von uns auf den Arm nehmen, in den ersten Stock tragen und dort in die schon gefüllte

Badewanne setzen, was sie sofort sichtlich genoss. Da sich hier in dieser Zeit allerdings auch die

Verdauung des Tieres weiter stabilisierte, wurde bei jeder Badesession dreimal mindestens das

komplette Wasser, in angenehmer Handwärme, gewechselt und sie mit der Brause abgespült.  So

verbrachten wir ab diesem ersten Bad alle zwei Tage mindestens drei Stunden mit Bockerta in der

Badewanne, wobei man sie hier auch einfach allein lassen und sicher sein konnte, dass sie bei

Rückkehr noch immer schläfrig im Wasser saß. Da sowohl das Bad als auch die Wassertemperatur

ihrer noch immer geschwächten Konstitution angepasst wurden, genoss sie jeden dieser Ausflüge

sehr.

Nach fünf Wochen wurde dann deutlich, dass die Wunden abzuheilen begannen und Bockerta auch

so langsam die Wohnhöhle in der Praxis als nicht mehr ausreichend erachtete. Also begannen wir

eine große Außenvoliere bibersicher zu machen, in die sie dann umziehen durfte.

Das deutlich

größere Gehege und die ständige Möglichkeit eine Badewanne aufzusuchen gefielen ihr sehr, und

auch der Aufenthalt unter freiem Himmel und Wind und Sonne auf dem Fell taten ihr sichtlich gut. In

den kommenden Wochen der Heilung der Wunden mussten wir noch insgesamt drei Rückschläge

hinnehmen mit Wundstellen, bei denen sich in der Tiefe doch noch mal eine Infektion gebildet hatte,

aber durch aufmerksames Kontrollieren bekamen wir auch dieses Problem in den Griff. Selbst in

diesem schon fast genesenen Zustand tolerierte Bockerta unsere Nähe nicht nur, sie ließ sich auch

ausgiebig kraulen, was die unangenehmen Behandlungen auch für sie erleichterte.


Anfang Juni dann begann sie die bis dato akzeptierte Voliere gezielt zu zerlegen, die Lautstärke, die

ein Biber beim Zernagen von Brettern und Stämmen erreicht, war auch für uns überraschend, und so

war klar, dass es nun Zeit war, Bockerta wieder in die Freiheit zu entlassen.

Da Bockerta aus dem Stadtgebiet Landshut kam war der erste Plan, sie dort wieder hinzubringen,

auch da Biber monogame lebenslange Partnerschaften eingehen. In ihrem Fall aber muss man davon

ausgehen, dass auch ihr  Partner nach diesem Angriff, der Bockerta so schwer verletzt hatte, das

Revier nicht halten konnte und somit dort wohl nicht mehr anzutreffen gewesen wäre – zudem wäre

der einstündige Transport des erstarkten Tieres eine Herausforderung und vorallem immenser Stress

fürs Tier geworden.

Da unser Grundstück an einen Arm der Altvils grenzt und wir auch an unseren

hier befindlichen Flüssen immer wieder Biber beobachten, aber aktuell keine feste Wohnburg in der

Nähe haben, beschlossen wir, Bockerta von unserem Grundstück über eine Auswilderungsbox einen

möglichst sanften Weg in die Freiheit zu bieten – am 9. Juni war es dann soweit – nachdem sie schon

eine Woche in der Box gewohnt und die Gerüche und Geräusche des Flusses kennengelernt hatte,

machte sich nach Öffnen der Türen auf den Weg in die Freiheit – genau so, wie wir sie erlebt hatten,

trottete sie gemächlich zum Ufer und ließ sich ins Wasser gleiten, um flussabwärts unseren Blicken zu

entschwinden.

In dieser ersten Nacht kam sie nochmal wieder um ihre Karotten und Äpfel

einzufordern, marschierte durch die Nachtkamera und ist seitdem unterwegs – wir hoffen sehr, dass

es ihr gut geht und dass sie sich an uns erinnert, wenn sie nochmal Hilfe brauchen sollte.


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